3.1 Operationale Aufgaben und Ziele
- Förderung einer nachhaltigen Konsumtion und Produktion durch Einbeziehung der sozialen und ökonomischen Entwicklung in die Kapazitäten des Ökosystems einerseits und die Entkoppelung des Wirtschaftswachstuns von der Umweltdegradation andererseits.
- Verbesserung der umweltbezogenen und sozialen Darbietung im Hinblick auf Produkte und Prozesse sowie Ermutigung der Unternehmen und Verbraucher bei ihrer Nutzung.
Der Versuch, das 2010 von der EU gesetzte durchschnittliche Niveau des „Green Public Procurement“ (GPP) zu erreichen, dass bereits von den am weitesten entwickelten Mitgliedstaaten erreicht worden ist.
Die EU sollte danach trachten, seinen Anteil an umweltfreundlichen Technologien und ökologischen Innovationen auf dem Weltmarkt weiter zu erhöhen.
Diese Vorgaben führen wiederum zu bestimmten Aktionen:
Die Kommission und die Mitgliedstaaten bemühen sich darum, vermehrt Modelle einer nachhaltigen Konsumtion und Produktion auf der europäischen und globalen Ebene umzusetzen, insbesondere durch den „Marrakesch-Prozess“ der Vereinten Nationen und durch die Kommission für nachhaltige Entwicklung. In diesem Kontext wird die Kommission einen Aktionsplan für „EU Sustainable Consumption and production“ bis 20007 vorlegen, der dabei helfen soll, die Hindernisse bei der Umsetzung des SCP zu erkennen und zu überwinden und hierdurch eine verbesserte Kohärenz zwischen den verschiedenen betroffenen Politikbereichen sicherzustellen sowie das Umweltbewusstsein der Bürger zu stärken und deren Konsumverhalten auf mehr Nachhaltigkeit umzustellen.
Die Kommission und die Mitgliedstaaten sollten sich mehr engagieren in dem Dialog mit der Wirtschaft und den relevanten „stakeholders“, damit umweltfreundliche und zugleich soziale Ziele für Produkte und deren Produktion Platz greifen.
Die Kommission und die Mitgliedstaaten werden einen strukturierten Prozess initiieren, der die „beste Praxis“ und Expertise bezüglich GPP berücksichtigt, um das Potenzial bei der Förderung von GPP auf der lokalen und regionalen Ebene auszuschöpfen. Die Kommission plant, die Regulierung zu erleichtern: ausgeprägtes „benchmarking“ für GPP-Leistungen, nach Maßgabe einer methodischen Bewertung auf der Grundlage anerkannter und objektiver Maßstäbe, sowie eine Untersuchung darüber, wie GPP am besten auch für andere Produktgruppen gefördert werden kann.
Die Kommission und die Mitgliedstaaten werden Anstrengungen unternehmen, um die Verbreitung von sozial- und umweltverträglichen Technologien zu stärken, u.a. durch die effiziente Implementation des „Environmental Technologies Action Plan“ (ETAP) durch alle Akteure mit dem Ziel, neue ökonomische Chancen und neue Märkte zu erschließen.
Die Kommission wird vorschlagen, die Auszeichnung von Leistungen zu erweitern, indem solche Kennzeichnungen von elektrischen Geräten und Fahrzeugen auf andere Produktgruppen, die umweltschädlich sein können, zu übertragen.
Die Mitgliedstaaten sollen hierbei, zusammen mit Anbietern und anderen Organisationen, Informationskampagnen unterstützen, um nachhaltige Produkte zu fördern, u.a. solche Produkte, die aus der biologischen Landwirtschaft und dem „fair trade“ stammen.
Damit ist ein großer Bereich umschrieben, in dem die EU ihren Tätigkeitskreis für die nächsten Jahre bis Jahrzehnte sieht. Die jeweiligen Eurostat Berichte erfüllen die Funktion des zweijährigen Monitorings, also der Kontrolle von Fortschritten im Sektor der nachhaltigen Entwicklung von Produktion und Konsum. Dazu gehört zunächst ein Überblick über die hauptsächlichen Veränderungen zum letzten Stand von vor zwei Jahren. Daran schließen sich die wesentlichen statistischen Ergebnisse, die nach Ressourcenverbrauch und Abfall sowie Konsummustern unterteilt werden. Bei Ressourcenverbrauch und Abfall sind die Untergliederungen häuslicher Materialverbrauch, nicht-mineralogischer Abfall, gefährlicher Abfall, wieder verwertbarer und kompostierter städtischer Abfall und schließlich Emissionen in die Atmosphäre. Die Konsummuster werden unterschieden nach der Anzahl der Haushalte, den Ausgaben der Haushalte, ihrem Elektrizitätsverbrauch, dem Gesamtenergieverbrauch, der Anzahl der Pkws, Umweltmanagementsystemen, Ecolabels, der Fläche im Rahmen von agrarischen Umweltengagements, ökologischem Landbau sowie dem Index für die Dichte des Viehbestands.
Interessant ist nun zu sehen, welche Veränderungen in Verbrauch und Produktion tatsächlich zwischen 2000 und 2007 eingetreten sind. Dabei gibt es höchst ungünstige und auch sehr vorteilhafte Entwicklungen. So wächst der Verbrauch von Material und Elektrizität ebenso wie von gefährlichem Abfall immer noch an. Andererseits sind der Gesamtenergieverbrauch und der Betrag an nicht-mineralischem Abfall in der EU zurückgegangen. Und der Anteil recycelten oder kompostierten Abfalls ist gestiegen. Außerdem hat es eine substanzielle Reduzierung der Emissionen/Luftverschmutzung gegeben. Fortschritte gab es auch im Zusammenhang mit Produktionsmustern in Bezug auf die ökologische Dimension der CSR von Unternehmen und auf umweltfreundliche landwirtschaftliche Praktiken:
Ressourcenproduktivität: Trotz des zunehmenden Trends zur Ressourcenproduktivität (gemessen als GDP geteilt durch den materiellen Verbrauch im Inland) innerhalb der EU zwischen 2000 und 2007, hat die Ressourcennutzung zugenommen.
Inländischer Materialverbrauch: Der inländische Materialverbrauch pro Kopf in der EU erhöhte sich zwischen 2000 und 2007. Diese ungünstige Entwicklung wurde durch einen Anstieg der inländischen Gewinnung und Einfuhr von einer wachsenden Nachfrage nach Mineralien vorangetrieben.
Nicht mineralische Abfälle: Zwischen 2004 und 2008 ist die Menge an nicht-mineralischen Abfällen pro Kopf in der EU erzeugten deutlich gesunken.
Gefährliche Abfälle: Zwischen 2004 und 2008 ist die Menge an gefährlichen Abfällen in der EU erzeugt pro Kopf deutlich gestiegen.
Recycelte und kompostierte Siedlungsabfälle: Der Anteil der recycelten und kompostierten kommunalen Abfälle ist zwischen 2000 und 2009 in der EU erheblich angewachsen. Die Müllverbrennung stieg ebenfalls, während die Entsorgung durch Deponierung erheblich zurückgegangen ist.
Atmosphärische Emissionen: Zwischen 2000 und 2008 sind die Emissionen von Luftschadstoffen, die zur Versauerung und Eutrophierung von Gewässern beitragen, sowie von bodennahem Ozon deutlich gesunken.
Konsummuster: Die Anzahl der Personen in Haushalten: In der Zeit von 2005 bis 2009 ist die durchschnittliche Anzahl der Personen pro Haushalt in der EU leicht gesunken, was auf einem Trend zu mehr, aber kleineren Haushalten beruht.
Haushaltsausgaben: Zwischen 2000 und 2007 haben sich die Ausgaben der privaten Haushalte in der EU kontinuierlich erhöht, insbesondere für Freizeit- und Wohnraum sowie bei Versorgungsunternehmen. Aufgrund der Wirtschaftskrise hat sich die Haushaltssparquote deutlich erhöht, was zu einem Rückgang der Ausgaben in 2007-2009 geführt hat.
Der Stromverbrauch der Haushalte: Zwischen 2000 und 2009 erhöhte sich in der EU der Stromverbrauch der privaten Haushalte deutlich.
Endenergieverbrauch: Zwischen 2000 und 2009 verringerte sich der Endenergieverbrauch sehr moderat. Er stieg deutlich zwischen 2000 und 2004, dann stagnierte er bis 2008; und schließlich war ein deutlicher Rückgang im Jahr 2009 zu verzeichnen.
Autobesitz: Zwischen 2000 und 2009 ist die Zahl der PKWs je 1.000 Einwohner in der EU deutlich gestiegen. Die höchsten Zuwächse wurden in Osteuropa und in der baltischen Region dokumentiert.
Umweltmanagementsysteme: Zwischen 2003 und 2010 hat sich die Zahl der Organisationen in der EU, die nach dem „Eco-Management and Audit Scheme“ zertifiziert wurden, deutlich erhöht, vor allem aufgrund der hohen Wachstumsraten in den südeuropäischen Ländern.
Umweltzeichen: Zwischen 2000 und 2010 hat sich die Zahl der vergebenen Umweltzeichen-Lizenzen in der EU um einen Faktor von mehr als 20 multipliziert.
Agrarumweltengagement: Im Jahr 2009 war fast ein Viertel der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der EU von Agrarumweltmaßnahmen betroffen
Ökologischer Landbau: Zwischen 2005 und 2009 hat sich der Anteil des ökologischen Landbaus an der landwirtschaftlich genutzten Fläche in der EU deutlich erhöht.
Viehbestandsdichte-Index: Zwischen 2003 und 2007 verringerte sich in der EU die Zahl der Großvieheinheiten pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche erheblich.
Diese statistischen Angaben müssten eigentlich nach den obigen Ausführungen zum weiten Begriff der Nachhaltigkeit im Kontext zu einer Fülle anderer Zielsetzungen, die weit über den Bereich von Produktion und Konsum hinausgehen und hier nicht erfasst werden. Dazu gehört zum Beispiel Lebensqualität, die allerdings außerordentlich schwer zu quantifizieren ist.


